Ein Hotel über dem Fistral Beach von Newquay, ein Gasthaus von 1750 auf dem Bodmin Moor, ein Leuchtturm in der Bucht von St Ives: Die Schauplätze großer Romane lassen sich in Cornwall mit dem Finger auf der Landkarte abfahren. Die Literatur hat aus der Grafschaft im äußersten Südwesten Englands ein Reiseziel gemacht – zuerst für Lesende, dann für Millionen Fernsehzuschauer. Mit dem Cornwall-Lesebuch erscheint nun Band 31 der Reise-Lesebuch-Reihe über genau dieses Land.
Rosamunde Pilcher: Von Lelant ins deutsche Fernsehen
Rosamunde Pilcher kam am 22. September 1924 in Lelant zur Welt, einem Dorf an der Mündung des Hayle bei St Ives. Ihren größten Erfolg schrieb sie erst mit 63 Jahren: „Die Muschelsucher“ (1987) verkaufte sich weltweit millionenfach. Für das deutsche Fernsehen wurde sie zur Institution. Seit 1993 hat das ZDF mehr als 170 ihrer Geschichten verfilmt, fast alle an Originalschauplätzen in Cornwall – im Herrenhaus Prideaux Place bei Padstow etwa oder im Headland Hotel über dem Fistral Beach von Newquay. Der Sonntagabend-Sendeplatz machte aus der Grafschaft ein deutsches Reiseziel; die britische Presse prägte dafür das Wort „Pilcher-Tourismus“. Die Autorin selbst lebte da längst in Schottland, wo sie 2019 im Alter von 94 Jahren starb.
Daphne du Maurier und das Haus namens Manderley
1930 geriet Daphne du Maurier bei einem Ausritt auf dem Bodmin Moor in dichten Nebel und fand Zuflucht im Jamaica Inn, einem Kutschergasthaus aus dem Jahr 1750. Sechs Jahre später trug ihr Schmugglerroman dessen Namen in die Welt. Noch folgenreicher war ein verschlossenes Herrenhaus bei Fowey, das sie als junge Frau bei Streifzügen entdeckt hatte: Menabilly wurde zum Vorbild für Manderley, das Anwesen aus „Rebecca“ (1938) mit dem berühmten ersten Satz „Gestern Nacht träumte ich, ich sei wieder in Manderley“. Alfred Hitchcock verfilmte den Roman 1940 und gewann damit den Oscar für den besten Film. Ab 1943 wohnte du Maurier selbst in Menabilly, mehr als zwanzig Jahre lang. In Fowey erinnert bis heute ein jährliches Literaturfestival an sie.
Virginia Woolf und der Leuchtturm von Godrevy
Als Kind verbrachte Virginia Woolf jeden Sommer im Talland House hoch über der Bucht von St Ives – bis 1894, dann gab die Familie das Haus auf. Mehr als dreißig Jahre später kehrte diese Landschaft in „Zum Leuchtturm“ (1927) zurück. Der Roman spielt offiziell auf den Hebriden, doch der Leuchtturm, um den alles kreist, steht vor der Küste von St Ives: Godrevy, erbaut 1859. Auch D. H. Lawrence suchte diese Küste. 1916 zog er mit seiner deutschen Frau Frieda nach Zennor, wenige Kilometer westlich – bis das Paar 1917 unter Spionageverdacht ausgewiesen wurde, weil Frieda eine geborene von Richthofen war.
Poldark: Zwölf Romane über Cornwalls Bergbau
Seinen Stoff fand Winston Graham unter der Erde. Zwischen 1945 und 2002 schrieb er zwölf „Poldark“-Romane über eine Bergbaufamilie im Cornwall des späten 18. Jahrhunderts, als Kupfer- und Zinnminen die Wirtschaft der Region trugen. Die BBC verfilmte die Reihe zweimal, 1975 und 2015; gedreht wurde an den Ruinen echter Maschinenhäuser wie Wheal Owles bei Botallack. Seit 2006 gehört die Bergbaulandschaft von Cornwall und West-Devon zum UNESCO-Welterbe. Wer heute den Küstenpfad abläuft, wandert durch die Kulisse der Romane – vorbei an Schornsteinen, die seit hundert Jahren kalt sind.
König Artus und die Burg von Tintagel
Die älteste Geschichte erzählt Cornwall von sich selbst. Um 1136 schrieb der Geistliche Geoffrey von Monmouth in seiner „Historia Regum Britanniae“, König Artus sei auf der Burg Tintagel gezeugt worden. Die Ruine, die heute auf der Landzunge steht, stammt allerdings erst aus den 1230er-Jahren, errichtet von Richard von Cornwall. Der Legende tat das keinen Abbruch: Tintagel zählt zu den meistbesuchten Stätten Südwestenglands, seit 2019 verbindet eine Stahlbrücke die Burginsel wieder mit dem Festland. Wer genau hinhört, findet hier auch die eigene Sprache des Landes: Kernewek, das Kornische, seit 2002 offiziell als Minderheitensprache anerkannt.
Literatur-Reiseziel Cornwall: Das neue Cornwall-Lesebuch
An dieser Stelle setzt „Das Cornwall-Lesebuch“ an, das jetzt als Band 31 der Reise-Lesebuch-Reihe erscheint. Almut Irmscher, die mehr als zwanzig Jahre eine Reiseagentur leitete und zu ihren Lieblingsplätzen ein Haus hoch über der Küste Cornwalls zählt, arbeitet auf 208 Seiten nicht Ort für Ort ab. Sie sammelt Geschichten und Impressionen, von den Klippenpfaden bis zu den Steinkreisen, und stellt jedem Kapitel ein Rezept aus Cornwall zur Seite – Stoff für die Tea Time und für den nächsten Reiseplan. „Man merkt, dass es sich bei Almut Irmscher um eine bewanderte Autorin handelt, mit echter Leidenschaft für Reisen, Kunst, Kultur und Kulinarik“, urteilte Carolin Ahrabian vom Borromäusverein.
Noch mehr Geschichten und Rezepte aus dem Pilcher-Land? Lesen Sie Das Cornwall-Lesebuch von Almut Irmscher.
Bildnachweise:
Headerbild: Ben Elliott, Unsplash, unsplash.com/photos/vpl8o5ERCAo
Küstenpfad: Danilo D’Agostino, Unsplash, unsplash.com/photos/Imv3xp-W14A
Leuchtturm Godrevy: Lewis Patrick, Unsplash, unsplash.com/photos/outj1RFf88o


