Elf Wege führt das Department of Conservation als Great Walks – und einer davon lässt sich überhaupt nicht erwandern, sondern nur paddeln. Wer die Great Walks Neuseelands vergleicht, merkt schnell, dass hinter dem gemeinsamen Etikett sehr verschiedene Unternehmungen stecken: drei Tage am Strand, vier Tage im Regenwald Fiordlands, fünf Tage im Kanu. Die Frage ist deshalb selten, welcher der schönste ist, sondern welcher zu Ihnen passt.
Was einen Great Walk zum Great Walk macht
Die Auszeichnung ist kein Schönheitspreis, sondern eine Infrastruktur-Kategorie. Great Walks sind breiter ausgebaut als andere Tracks, ihre Flüsse sind überbrückt, die Hütten größer und in der Hauptsaison mit Rangern besetzt. Dafür gelten strengere Regeln: Hütten und Zeltplätze müssen vorgebucht werden, auf dem Milford Track sind Laufrichtung und Tagesetappen von Ende Oktober bis Ende April sogar fest vorgegeben.
Das erklärt auch die Preise. Eine Nacht in einer Great-Walk-Hütte im Abel Tasman National Park kostet in der Hauptsaison 55 neuseeländische Dollar, für internationale Gäste 84; ein Zeltplatz 21 beziehungsweise 31 (Stand September 2026). Die Regierung hat im August 2025 angekündigt, von ausländischen Gästen künftig Eintritt für vier Gebiete zu verlangen – darunter das Tongariro Crossing und der Milford Sound. In Kraft ist das noch nicht; gerechnet wird mit einer Einführung frühestens im Sommer 2027.
Die Great Walks Neuseelands im Vergleich
Die Zahlen stammen aus Wandern in Neuseeland. Rolf Knütter, Christian Ziglowski und Ann Kathrin Saul haben für den Führer über Jahre hinweg viele hundert Kilometer auf neuseeländischen Wegen zurückgelegt und beschreiben jede Route aus eigener Anschauung. Die Schwierigkeitsangaben folgen der Einteilung des DOC in leicht, mittel und schwer.
| Track | Länge | Dauer | Schwierigkeit | Beste Zeit |
|---|---|---|---|---|
| Lake Waikaremoana | 46 km | 4 Tage | leicht–mittel | Nov–Apr |
| Tongariro Northern Circuit | 45 km | 3–4 Tage | mittel | Dez–Mär |
| Whanganui Journey (Kanu) | 88–145 km | 3–5 Tage | leicht–mittel | ganzjährig |
| Abel Tasman Coast Track | 52 km | 3–5 Tage | leicht | Feb–Apr |
| Heaphy Track | 82 km | 4–6 Tage | leicht–mittel | Nov–Apr |
| Paparoa Track | 55 km | 3–4 Tage | mittel | ganzjährig |
| Routeburn Track | 32 km | 3 Tage | leicht–mittel | Nov–Apr |
| Milford Track | 53,5 km | 4 Tage | mittel | Nov–Apr |
| Kepler Track | 60 km | 4 Tage | mittel | Nov–Apr |
| Hump Ridge Track | 62 km | 3 Tage | mittel–schwer | Okt–Apr |
| Rakiura Track | 37 km | 3 Tage | leicht–mittel | Okt–Mai |
Jede dieser elf Routen ist in Wandern in Neuseeland Etappe für Etappe beschrieben – mit Hüttenpreisen, Anfahrt, Karten und GPS-Daten zum Download.
Nordinsel: Vulkane, ein mythischer See und eine Paddeltour
Auf der Nordinsel liegen drei der elf Routen. Der Tongariro Northern Circuit führt auf 45 Kilometern in drei bis vier Tagen um Mount Ngauruhoe und Mount Tongariro, vorbei an Kraterseen und dampfenden Hängen – der eindrücklichste, aber auch der wetterempfindlichste Weg der Nordinsel, begehbar nur von Dezember bis März.
Der Lake Waikaremoana Track umrundet auf 46 Kilometern den „See der kleinen Wellen“, der für die Tūhoe eine mythische Bedeutung hat. Und die Whanganui Journey ist die Ausnahme unter den Great Walks: 88 bis 145 Kilometer auf dem Fluss, je nach Einstieg, in drei bis fünf Tagen. Statt Wanderstiefeln braucht man ein Kanu, statt Kondition Paddeltechnik – und muss damit rechnen, dass heftiger Regen über den Vulkanen im Osten den Pegel steigen lässt.
Südinsel: Fiordland, Küste und der tiefe Süden
Die drei Fiordland-Tracks liegen dicht beieinander und werden trotzdem oft verwechselt. Der Milford Track ist mit 53,5 Kilometern in vier Tagen der bekannteste und der am strengsten reglementierte. Der Kepler Track führt auf 60 Kilometern in vier Tagen über einen langen Bergkamm, mit dem größten Anteil oberhalb der Baumgrenze. Der Routeburn Track ist mit 32 Kilometern in drei Tagen der kürzeste – und für viele der beste Kompromiss aus Aufwand und Aussicht.
Am anderen Ende der Skala steht der Abel Tasman Coast Track: 52 Kilometer entlang der Küste, als einziger Great Walk mit der Einstufung „leicht“, mit Buchten zum Baden und der Möglichkeit, Etappen im Kajak statt zu Fuß zurückzulegen. Der Heaphy Track verbindet auf 82 Kilometern in vier bis sechs Tagen Tussock-Hochland mit Nikaupalmen an der Westküste, der Paparoa Track führt über Karstlandschaft und alpine Grate zum Meer.
Zwei Routen fallen aus dem Rahmen. Der Hump Ridge Track an der Südküste ist mit der Einstufung „mittel–schwer“ der anspruchsvollste im Bunde: 62 Kilometer in nur drei Tagen. Und der Rakiura Track auf Stewart Island ist der südlichste Great Walk überhaupt – 37 Kilometer in drei Tagen, an einem Ort, an dem die nächste Landmasse südlich die Antarktis ist.
Welcher Great Walk passt zu Ihnen?
- Erste Mehrtagestour, gern mit Kindern: Abel Tasman Coast Track – der einzige mit der Einstufung „leicht“, dazu Wassertaxis, mit denen sich Etappen abkürzen lassen.
- Wenig Zeit, viel Landschaft: Routeburn Track, 32 Kilometer in drei Tagen mit Bergseen und Passüberquerung.
- Der Klassiker, den man einmal gegangen sein will: Milford Track – mit dem Hinweis, dass er am schnellsten ausgebucht ist.
- Höhe und Weitblick: Kepler Track, der längste Abschnitt oberhalb der Baumgrenze.
- Sportlich, ohne viele Tage zu brauchen: Hump Ridge Track, 62 Kilometer in drei Tagen.
- Etwas ganz anderes: Whanganui Journey im Kanu oder der Rakiura Track auf Stewart Island.
- Außerhalb der Saison unterwegs: Whanganui Journey und Paparoa Track sind ganzjährig möglich.
Die Hütten für 2026/27 sind vergeben – und jetzt?
30 Touren statt elf
Alle Great Walks im Detail – und 19 weitere Wege, für die Sie keine Hütte ergattern müssen. Mit Etappen, Karten und GPS-Daten.
Die Buchung für die Saison 2026/27 hat das DOC im Mai 2026 geöffnet, und die begehrten Termine auf Milford, Routeburn und Kepler waren binnen Minuten weg. Wer erst jetzt plant, hat zwei Möglichkeiten. Die erste: das Buchungssystem regelmäßig auf Stornierungen prüfen, die kurzfristig zurück in den Verkauf gehen.
Die zweite ist die interessantere. Neuseeland hat mehr als elf lohnende Mehrtagestouren, und einige stehen den Great Walks landschaftlich in nichts nach – nur ohne Buchungsschlacht. Der Greenstone und Caples Track führt auf 66 Kilometern in vier Tagen durch Buchenwälder direkt am Rand der Great Walks. Der Mount Angelus Circuit im Nelson Lakes National Park ist mit 30 Kilometern kurz, mit der Einstufung „schwer“ aber ernst zu nehmen. Der Croesus Track folgt auf 22 Kilometern einer historischen Goldgräberroute vom Regenwald bis über die Baumgrenze. Und der Queen Charlotte Track in den Marlborough Sounds hat auf 71 Kilometern alle Qualitäten eines Great Walks, nur keine DOC-Hütten – dafür private Unterkünfte und Wassertaxis für das Gepäck.
Genau an dieser Stelle entscheidet sich, wie brauchbar ein Wanderführer ist. Wer nur die elf offiziellen Routen kennt, steht vor einem ausgebuchten System. Wer dreißig kennt, wandert trotzdem.
Was im Buch steht, was hier nicht steht
- Jede Route Etappe für Etappe – Tagesabschnitte mit Gehzeiten, Höhenverlauf und den Stellen, an denen es heikel wird.
- Hütten mit Bettenzahl und Preis, getrennt nach Haupt- und Nebensaison, dazu Zeltplätze und die Frage, wo ein Kocher steht und wo nicht.
- Anfahrt konkret – welcher Shuttle, welcher InterCity-Bus, was er kostet und wie lange er braucht.
- Unterkünfte am Start und Ziel, ausgewählt nach dem, was Wandernde brauchen: Backpacker, Campingplätze, Holiday Parks.
- Karten mit den passenden NZTopo50-Blattnummern und rund 200 Abbildungen.
- GPS-Daten zu allen Touren zum Download.
Wann welcher Track begehbar ist, lesen Sie in unserem Beitrag zur besten Reisezeit zum Wandern in Neuseeland.
Wandern in Neuseeland. Die schönsten Tracks und Wanderwege
von Rolf Knütter, Christian Ziglowski und Ann Kathrin Saul
4., aktualisierte und erweiterte Auflage · 344 Seiten · 24,00 € · versandkostenfrei in Deutschland
Alle elf Great Walks und 19 weitere Touren – mit Etappen, Hüttenpreisen, Karten und GPS-Daten zum Download.
Bildnachweise:
Headerbild (Sutherland Falls, Fiordland National Park): Sam Ferrara, Unsplash, https://unsplash.com/photos/vih4k7EAf5o
Milford Sound: Athithan Vignakaran, Unsplash, https://unsplash.com/photos/k8xsgKZJvtI
Fiordland National Park: Sam Ferrara, Unsplash, https://unsplash.com/photos/8N6TUVrWj38


