Neuseeland mit Kindern erwandern: Sechs Touren, die wirklich funktionieren   Kürzlich aktualisiert!


Vom Parkplatz bis zum größten Kauri-Baum der Welt sind es 166 Meter. Nach fünf Minuten Waldweg steht man vor Tane Mahuta, 51 Meter hoch, mit einem Stammumfang von 13,77 Metern – eine Wanderung, die jedes Kindergartenkind schafft. Wer Neuseeland mit Kindern erwandern will, findet viele solcher Wege, nur stehen sie selten in einer Liste. Hier sind sechs Touren, die im Wanderführer Wandern in Neuseeland als familienfreundlich markiert sind, und dazu das, was Eltern vor dem Start wissen sollten.

Was „familienfreundlich“ beim Wandern in Neuseeland heißt

Cover Wandern in Neuseeland von Rolf Knütter, Christian Ziglowski und Ann Kathrin Saul

30 Touren, Familienwege markiert

Alle elf Great Walks und 19 weitere Wege – familientaugliche Touren sind eigens gekennzeichnet, GPS-Daten gibt es zu allen.

Zum Buch

Rolf Knütter, Christian Ziglowski und Ann Kathrin Saul, die Autor*innen des Wanderführers, finden dafür eine klare Definition: Familienfreundlich sind Tracks, auf denen Kinder und gegebenenfalls auch Babys in einer Trage mitkönnen. Die Wege sind zeitlich überschaubar, meist nur wenige Stunden lang, und so gut ausgebaut, dass sie manchmal sogar mit einem Buggy gelaufen werden können.

Zu den familienfreundlichen Wanderungen zählen sie auch einige längere Strecken, wenn sie sich mit anderen Aktivitäten verbinden lassen – etwa Wandern und Kajakfahren – oder wenn Touranbieter einen an bestimmten Punkten absetzen und wieder abholen. Alle diese Wege tragen im Buch ein eigenes Symbol. Wer mit Kindern plant, sieht also auf einen Blick, welche der 30 Touren infrage kommen.

Sechs Touren mit Kindern im Überblick

Tour Region Strecke Dauer Höhepunkt
Waipoua Forest Northland 166 m bis 3,5 km 10 Min. bis 1 Std. 20 Größter Kauri der Welt
Castlepoint Walks Wairarapa 1,3 bis 3,5 km 30 Min. bis 1 Std. 30 Leuchtturm von 1913
Abel Tasman Coast Track Tasman Etappen nach Wahl ein Tag oder länger Strand, Kajak, Wassertaxi
Cape Foulwind Walkway West Coast 7 km 2 bis 3 Std. Seebärenkolonie
Devils Punchbowl Falls Arthur’s Pass 2 km 1 bis 1½ Std. 131 m hoher Wasserfall
Hooker Valley Track Aoraki/Mount Cook 10 km 3 bis 4 Std. Drei Hängebrücken

Die fünf Tagestouren stuft das Buch durchweg als leicht ein; der Abel Tasman Coast Track ist ein Great Walk, den man in beliebig kurzen Etappen gehen kann.

Nordinsel: Kauri-Riesen und ein Leuchtturm

Mächtiger Kauri-Baum im neuseeländischen Regenwald
Kauri im Regenwald · Foto: Yoann Laheurte / Unsplash

Im Waipoua Forest an der Westküste Northlands beginnen alle Wege direkt am Highway SH 12. Ein zweiter Halt liegt wenige Kilometer südlich: 730 Meter, rund 20 Minuten pro Strecke, zu Te Matua Ngahere, dem „Vater des Waldes“. Der zweitgrößte Kauri der Welt ist nach Schätzungen älter als 2.000 Jahre. Laut DOC sind beide Wege täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet, der Weg zu Tane Mahuta eignet sich auch für Kinderwagen und Rollstühle. Die im Buch beschriebenen Wege zu den Four Sisters und zum Yakas-Baum sind derzeit gesperrt.

Grund ist die Kauri Dieback Disease, eine Krankheit, die die Wurzeln der Bäume angreift und vor allem mit Erde an Schuhsohlen weitergetragen wird. An den Trackstarts stehen deshalb Reinigungsstationen für Schuhe, und die Wege dürfen nicht verlassen werden. Für Kinder ist das Schuheputzen vor dem Wald übrigens oft der spannendste Teil.

Ganz anders die Castlepoint Walks in der Wairarapa, rund eine Autostunde östlich von Masterton. Der Lighthouse Walk führt 1,3 Kilometer über einen Boardwalk zum Leuchtturm von 1913, 52 Meter über dem Meer; bis 1988 lebte hier noch ein Leuchtturmwärter. In den Felswänden lassen sich versteinerte Muscheln entdecken. Der längere Deliverance Cove Track (3,5 Kilometer) ist seit einem Erdrutsch 2023 nicht mehr als Rundweg begehbar. Und Vorsicht: Der Māori-Name des Gebiets, Rangiwhakaoma, bedeutet „wo der Himmel rennt“ – der Wind ist hier stark.

Boardwalk zum weißen Leuchtturm von Castlepoint an der Küste der Wairarapa
Über den Boardwalk zum Leuchtturm von Castlepoint · Foto: Petra Reid / Unsplash

Südinsel: Seebären, Wasserfall und Aoraki

Weg durch das Hooker Valley mit Blick auf den Aoraki/Mount Cook
Im Hooker Valley, mit Blick auf den Aoraki/Mount Cook · Foto: Jeanne Rouillard / Unsplash

Der Hooker Valley Track gilt im Buch als eine der schönsten Kurzwanderungen Neuseelands. Zehn Kilometer, drei bis vier Stunden hin und zurück, drei Hängebrücken. Unterwegs liegt Freda’s Rock, benannt nach Freda du Faur, die 1910 als erste Frau den Aoraki/Mount Cook bestieg. Am Ende wartet der Hooker Lake mit Blick auf Gletscher und Gipfel. Die Autoren empfehlen die Zeit von November bis März und warnen: Schnee kann hier zu jeder Jahreszeit fallen.

Am Cape Foulwind bei Westport erreicht man auf einem sehr gut ausgebauten Weg in etwa 15 Minuten eine Kolonie Neuseeländischer Seebären. Danach ist der Weg etwas weniger gut ausgebaut, nach rund einer Stunde folgt der Leuchtturm; insgesamt sind es sieben Kilometer. Mit kleinen Kindern kann man nach der Robbenkolonie umdrehen und hat das Wichtigste gesehen.

Die Devils Punchbowl Falls im Arthur’s Pass National Park sind ideal als Pause auf der Fahrt zwischen den Küsten, auch mit dem TranzAlpine-Zug, der in Arthur’s Pass hält. Zwei Kilometer führen durch Scheinbuchenwald, stellenweise steil, aber auf guten Wegen, bis zu dem Punkt, an dem das Wasser 131 Meter tief aufschlägt.

Etwas länger, aber ebenfalls familientauglich ist der Abel Tasman Coast Track. Hier lässt sich Wandern mit Baden und Kajakfahren verbinden, Touranbieter und Wassertaxis bringen einen zu einzelnen Buchten und holen einen wieder ab. Mehr zu diesem und den übrigen Great Walks steht in unserem Vergleich aller elf Great Walks.

Was Eltern vor dem Start wissen sollten

Zeitangaben: Die Zeiten auf den Schildern stammen vom Department of Conservation (DOC) und sind großzügig gerechnet. Durchschnittlich fitte Erwachsene schaffen sie nach Erfahrung der Autoren in etwa zwei Dritteln der Zeit. Mit Kindern ist es klüger, die volle DOC-Zeit einzuplanen und Pausen obendrauf.

Sandfliegen: Die kleinen schwarzen Kriebelmücken fliegen lautlos und beißen dort, wo die Haut frei ist: an Händen, Hals und Knöcheln. Der Juckreiz hält lange an, aufgekratzte Stellen können sich entzünden. Lange, leichte Kleidung hilft. Bei Insektenschutzmitteln kommt es auf den Wirkstoff an: Die meisten enthalten DEET, das bei längerer Anwendung nicht unbedenklich ist – gerade bei Kindern ein Grund, sparsam zu sein.

Sonne: Die UV-Strahlung in den südlichen Breiten ist sehr stark, auch wenn Wolken die Sonne verdecken. Kopfbedeckung und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor gehören auf jede Tour.

Hot Pools: So verlockend ein Bad in den natürlichen heißen Quellen ist – den Kopf nie unter Wasser tauchen. Über Nase oder Ohren können amöbenähnliche Einzeller eindringen und eine Hirnhautentzündung auslösen. Das ist selten, kann aber tödlich enden. Bei Kindern, die gern untertauchen, heißt das: daneben bleiben.

Wasser: Mindestens zwei Liter pro Person mitnehmen, und Wasser aus Bächen nur abgekocht oder gefiltert trinken. In manchen Gegenden kommen Giardien vor, Darmparasiten, die Übelkeit und Durchfall verursachen.

Die beste Zeit für Familien

Die Weihnachtsferien fallen in den neuseeländischen Hochsommer, und das passt für fast alle sechs Touren: Waipoua Forest und Castlepoint gehen das ganze Jahr, Hooker Valley und Devils Punchbowl sind von November bis März am schönsten. Welcher Weg in welchem Monat am besten geht, steht ausführlich in unserem Beitrag zur besten Reisezeit zum Wandern in Neuseeland. Wer mit Kindern auch eine Nacht in einer Hütte verbringen will, findet die Preise und das Buchungssystem in Hütten, Tickets, Kosten.


 

Cover Wandern in Neuseeland von Rolf Knütter, Christian Ziglowski und Ann Kathrin Saul

Alle familienfreundlichen Touren sind im Wanderführer Wandern in Neuseeland von Rolf Knütter, Christian Ziglowski und Ann Kathrin Saul eigens markiert – mit Karten, Anfahrt, Unterkünften und GPS-Daten.


Bildnachweise:
Headerbild: Jeanne Rouillard, Unsplash, https://unsplash.com/photos/cMoiJcYOS08
Kauri im Regenwald: Yoann Laheurte, Unsplash, https://unsplash.com/photos/EmxHjPrhMDQ
Leuchtturm Castlepoint: Petra Reid, Unsplash, https://unsplash.com/photos/4EXBObqqbu8
Hooker Valley: Jeanne Rouillard, Unsplash, https://unsplash.com/photos/cMoiJcYOS08

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