Brodelnde Urgewalt – der Ätna


Die Sizilianer nennen ihn auch „Mongibello“ (darin steckt das arabische „Djebel” – „Berg“) oder einfach nur „La Montagna“ – „der Berg“. Mitunter macht der angeblich so gutmütige Vulkan Ätna von sich reden. Drei Monate wütete er beispielsweise im Winter 2002/2003. Die ersten heftigen Eruptionen begannen im Oktober 2002. Die Fontänen stiegen bis zu 200 Meter hoch in den Himmel. Dann floss die Lava unermüdlich aus mehreren Flankenrissen. Immer wieder spuckte der Berg Asche und Gestein, kleinere und größere Erdbeben erschütterten wochenlang die Region.
Ende Februar 2003 hörten die seismologischen Unruhen vorerst auf – der Ätna war wieder friedlich. Doch schon im September 2004 legte er wieder los und sandte einen breiten Lavastrom ins Tal, der nachts einen spektakulären, weithin sichtbaren Anblick bot. War der Ätna zwischen 2008 und 2012 relativ ruhig, so nahm er danach seine Tätigkeit mit neuer Kraft wieder auf. Es kam zu starken Erdstößen und Lavaausbrüchen, bei denen das Material sogar bis zu 600 Meter hoch in die Atmosphäre geschleudert wurde. Zeitweise behinderte die damit verbundene Rauchwolke sogar den Luftverkehr. Die wiederkehrenden Aktivitäten dauerten noch immer fort.

Der erste dokumentierte Ausbruch fand 475 v. Chr. statt. Seitdem sind rund 140 große Ausbrüche bekannt. Der momentan etwa 3.320 Meter hohe Vulkan – die Höhe variiert je nach Aktivität des Berges – liegt genau auf der Bruchlinie zwischen Eurasischer und Afrikanischer Platte. Da sich die afrikanische Kontinentalplatte auf die Eurasische Platte schiebt und dabei enormen Druck ausübt, bewegt sich die Erdkruste hier ständig. Der Ätna ist einer der aktivsten, wenn nicht der aktivste Vulkan der Welt und ändert laufend seine Größe und Form. Seine Basis hat einen Durchmesser von etwa 35 Kilometern, er bedeckt eine Fläche von rund 1.200 Quadratkilometern. des Landes erstarrt nämlich der Glutfluss meist, bevor er größeren Schaden anrichten kann.


Der Ätna am 4. März 2012 mit der Stadt Catania im Vordergrund. Foto: Wikipedia, Andrea cc-by-sa 2.0


Der Ätna gehört nicht zu den explosiven Feuerbergen. Noch ist er berechenbar. Seinen Eruptionen kann man entkommen. An seinen vier Hauptkratern kommt es kontinuierlich zu Explosionen mit Ascheauswurf, die dem Druck in seinem Inneren ein Ventil bieten. Der Zentralkrater hat einen Durchmesser von etwa 200 Metern und ist 80 Meter tief. Lavaströme sind hier seltener und geringer. Gefährlicher sind die Risse, die sich bei Flankenausbrüchen unterhalb der Gipfelkrater bilden – hier kann schnell ein großer Lavastrom austreten und bis zum Meer hinunterfließen. Der Ätna grummelt ununterbrochen – doch bleibt er für die Menschen, die seine Hänge besiedeln, der „gute Berg“. Denn meist sind seine Ausbrüche eher eine zusätzliche Attraktion für Touristen.

Ab 1.600 Höhenmetern liegt von Dezember bis Mai Schnee. Hier liegen beliebte Skigebiete. Bis 1.800 Meter führt eine Teerstraße den Berg hinauf, mit Seilbahn und Geländebussen geht es weiter bis auf etwa 3.300 Meter. Besonders eindrucksvoll ist der Sonnenaufgang auf dem Gipfel. Den Ätna umgibt eine fruchtbare Gartenlandschaft, die im Süden in die Ebene von Catania übergeht.

Almut Irmscher


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