Ein Leuchtturm auf Abwegen


Es ist der 22. Oktober 2019. Noch thront er gefährlich nah an der Abbruchkante der sich endlos hinziehenden Steilklippen. Weit unten peitscht der Wind die Wellen auf, hier oben trägt er den feinen Sand ab, der ihn umgibt. Wer sich an die Nachrichten erinnert oder schon einmal hier war, weiß, dass es um Rubjerg Knude Fyr geht, einen 118 Jahre alten Leuchtturm in Westjütland, Dänemark.

Foto: Ansgar Koreng/CC BY-SA 4.0

Weil er nicht – wie bereits große Teile der steilen Klippen – der Erosion zum Opfer fallen soll, zieht er an diesem Tag um. Die Zahlen sind unglaublich: Der 23 Meter hohe und 700 Tonnen schwere Koloss soll ganze 70 Meter landeinwärts bewegt werden. Sein Fundament wird verstärkt, dann wird er auf Schienen gehoben und Millimeter für Millimeter versetzt. Das Ganze soll nur 6 Stunden dauern.

Etwas an dieser Nachricht lässt mich aufhorchen. In meiner Welt standen uralte Leuchttürme bisher immer da, wo sie seit jeher schon standen, waren Kulturdenkmäler unverrückbar – ja, geradezu unantastbar. Die Ruinen von Machu Picchu bleiben in den peruanischen Anden, obwohl der Weg dorthin beschwerlich ist, die Pyramiden von Gizeh befinden sich in Ägypten, obwohl nicht jeder zur Zeit aufgrund der Sicherheitslage dorthin reisen würde. Im Falle des Leuchtturms verhält es sich natürlich anders, denn er ist in Gefahr. Und doch wird etwas unverrückbar Altes – einfach so – in Bewegung gebracht und an einen anderen Ort verlegt.

 
Wir Menschen verändern unsere Umgebung

Für mich ist der Leuchtturm Sinnbild für das moderne Einwirken des Menschen auf die Natur- und Kulturlandschaften dieser Welt. Auch wenn es in diesem Fall um seinen Erhalt geht, führt er uns vor Augen, in welchem Ausmaß wir Menschen in der Lage sind, Landschaften zu verändern.

 

Foto links: Veränderung der Landschaft im Braunkohle-Tagebau Garzweiler, Tobias Jussen/unsplash; Foto rechts: Windpark, Karsten Würth/unsplash

Natürlich ist die Veränderung von Landschaften durch den Menschen kein neues Phänomen, aber vielleicht ist der Umzug des Leuchtturms ein weiterer Anlass, darüber nachzudenken, wie wir unsere Umgebung weiterhin verändern wollen. Und zwar jeder einzelne von uns, auch wenn es uns vielleicht ein wenig lästig ist, weil wir eigentlich bereits als Kinder lernten, unseren Müll nicht auf die Straße, sondern in den Abfalleimer zu werfen, als Erwachsene schon seit vielen Jahren exzessives Recycling betreiben und immer öfter auf das Auto zugunsten des Fahrrads verzichten.

 
Unsere Verantwortung beim Reisen

Doch wie verhalten wir uns beim Reisen? Wir möchten angesichts der immensen Möglichkeiten immer mehr Länder in immer kürzerer Zeit bereisen und in immer mehr fremde Kulturen eintauchen – das Ganze am liebsten nachhaltig.

Fotos: links: Capturing the human heart/unsplash, Mitte: Christopher Rusev/unsplash, rechts: Gemma Evans/unsplash

Aber wie schaffen wir das? Zu einem verantwortlichen Tourismus zählt auch, dass wir uns informieren, dass wir die Gegebenheiten eines Ortes verstehen und respektieren, damit sie nicht verloren gehen zugunsten einer von uns als Touristen geformten Landschaft, die so aussieht, wie wir sie sehen wollen.

 

Fotos: links: Annie Spratt/unsplash, rechts: Rathish Gandhi/unsplash

Verantwortlich zu reisen heißt auch, dass wir verstehen, was die Menschen vor Ort bewegt, wie sie ihre Landschaft, ihre Welt verstehen, damit sie und ihre Bedürfnisse nicht verschwinden hinter denen der Touristen. Lasst uns ihnen nicht ihre Orte wegnehmen, indem wir sie und ihre Geschichten nicht zu Wort kommen lassen. Lasst uns den Orten nicht ihre Einzigartigkeit absprechen, indem wir nur das sehen, was wir sehen wollen. Lasst uns verstehen, was mit den Menschen an ihren Orten passiert. Lasst uns nicht länger als blinder Elefant durch den Porzellanladen laufen, lasst uns nicht länger reisen, ohne uns über die Orte zu informieren, um sie zu verstehen. Nur dann können wir wirklich an einem Ort ankommen, so wie wir es eigentlich wollen. Vielleicht sind das die wahren Anforderungen globalen Handelns, die bereits jetzt an uns gestellt werden. Der MANA-Verlag macht mit den zahlreichen, verlässlichen Informationen seiner Reisebücher einen hervorragenden Anfang dazu.

 
Ende gut, alles gut?

Wer es nicht in den Medien gesehen hat: Rubjerg Knude Fyr wurde erfolgreich versetzt. Wer ihn persönlich treffen möchte, kann dies ab dem 16. November wieder tun. Aber denken Sie dran und informieren sich vorher mit Almut Irmschers Dänemark-Lesebuch – das wäre ein wirklich guter Anfang!

 

Hanna Hommes

 

Weiterführende Informationen und Links

Hier geht’s zu Almut Irmschers Dänemark-Lesebuch: https://mana-verlag.de/produkt/das-daenemark-lesebuch/

 

Wer zum Thema Nachhaltiges Reisen weiterlesen möchte, findet hier genügend Lesestoff:

 

Reiseberichte, Geschichten, Wissenswertes und Gedanken zum Reisen gibt’s auf dem Reiseblog der Autorin: http://www.wohingehtdiereise.de

 

Kommentar erstellen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.