Australien: Leitern toedlicher als Haie

Australien: Leitern tödlicher als Haie


Slider

In Australien leben die giftigsten und viele der gefährlichsten Tiere der Welt, darunter Weiße Haie und Salzwasserkrokodile. Bei einer statistischen Auswertung der größten Gefahren für Australier kam es nun jedoch zu einem überraschenden Ergebnis: Leitern sind auf dem Kontinent deutlich tödlicher als Giftschlangen oder Haie.

Haiattacken gehen um die Welt. Die Urangst des Menschen, bei lebendigem Leib verspeist zu werden, können wir nicht ablegen. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, im Meer von einem Hai angefallen zu werden, verschwindend klein. Wie klein, das kam jetzt bei einer statistischen Auswertung heraus, die der staatliche australische Sender ABC veröffentlichte. Demnach sterben deutlich mehr Menschen in Australien durch Leitern als durch Haie oder Gifttiere.

In Australien leben die giftigsten Tiere der Welt

Dabei ist es durchaus korrekt, Australien als einen “Kontinent der Giftmischer” zu bezeichnen. Tatsächlich leben hier die zehn giftigsten Schlangen der Welt. Auch von den 25 giftigsten Exemplaren befinden sich immerhin 20 auf dem Kontinent.

Auch die giftigste Spinne der Welt, die „Sydney Funnel Web Spider“ oder Trichternetzspinne lebt in Australien. Sie hält sich in Sydney und in einem Umkreis von etwa 160 Kilometer auf. Das Männchen ist dabei nochmal sechsmal giftiger als das Weibchen. Trotzdem ist seit 1980 niemand mehr am Biss einer solchen Spinne gestorben.

Australien: Leitern toedlicher als HaieFoto: Donald Hobern (Eastern Brown Snake, cc by 2.0)

Vorsicht vor der Braunschlange

Aber zurück zur Statistik: Seit 2012 sind 14 Menschen in Australien von Haien getötet worden, im Durchschnitt also 2,3 Menschen pro Jahr. Einziges Ausnahmejahr war 2014, als fünf Menschen durch einen Haiangriff ums Leben kamen. Für Schlangen führt die Statistikbehörde den Zeitraum zwischen 2006 und 2016 auf. In diesen zehn Jahren überlebten 28 Menschen die Begegnung mit einer Giftschlange nicht, also 2,8 Menschen pro Jahr. Ähnlich viele Menschen sterben in Australien im Durchschnitt übrigens durch Stiche von Bienen, Wespen oder Hornissen.

Die gefährlichste Schlange ist dabei nicht die giftigste. Denn nicht der Inlandtaipan ist der Schuldige, sondern in den meisten Fällen die harmlos aussehende Braunschlange. Der Schlangenexperte und Forscher Bryan Fry sagte der ABC in einem Interview einst, dass das Gift der Östlichen Braunschlange einen Erwachsenen in einer halben Stunde töten könne und das obwohl die Fangzähne der Schlange relativ klein seien. „Es ist wohl das Gift, das weltweit am schnellsten tötet“, sagte Fry. „Keine andere Schlange auf der Welt tötet Menschen so schnell und so regelmäßig.”

Leitern und Pferde deutlich gefährlicher als Haie

Trotzdem können weder Haie noch Schlangen mit den Gefahren mithalten, die von Leitern ausgehen. In den zehn Jahren bis 2016 starben 272 Australier durch einen Sturz von einer Leiter, also im Durchschnitt 27 Menschen pro Jahr. Ein Großteil der Verletzungen werde der steigenden Beliebtheit von DIY-Fernsehshows zugeschrieben, heißt es bei der ABC. Seitdem es mehr Fernsehsendungen gebe, die sich um Heimwerken drehten, seien Einweisungen in Krankenhäuser deutlich angestiegen: Laut einer Studie, die im vergangenen Jahr im Fachmagazin „Australian and New Zealand Journal of Public Health“ veröffentlicht wurde, um 1.500 Fälle pro Jahr zwischen 2002 und 2012. Als ebenfalls deutlich gefährlicher als Haie und Schlangen erwiesen sich laut der Statistik auch Pferde: 86 Menschen starben zwischen 2006 und 2016 in Australien bei Reitunfällen, also 8,6 Menschen pro Jahr.

Diese Zahlen überraschten letztendlich selbst die Wissenschaftler, wie Ronelle Welton von der Universität von Melbourne eingestand. In einer 2017 veröffentlichten Studie schrieb sie bereits, dass in dem Zeitraum, den sie untersucht hatte (2000 bis 2013) 26 Menschen von Haien getötet worden waren, 19 von Krokodilen und 74 von Pferden. „Wir haben eine Menge Medien-Hype, wie gefährlich Haie sind, aber wenn man Ursachen wie Ertrinken betrachtet, so gab es im gleichen Zeitraum fast 5.000 Todesfälle“, sagte die Wissenschaftlerin damals.

von Barbara Barkhausen