Waitangi-Day – Neuseeland feiert Unterzeichnung des Gründungsvertrags

Waitangi-Day – Neuseeland feiert Unterzeichnung des Gründungsvertrags


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Am 6. Februar 1840, also vor insgesamt 178 Jahren, wurde der „Vertrag von Waitangi“ von den Pākehā (den europäischen Einwanderern) und den Māori unterzeichnet. Federführend hierbei waren Kapitän William Hobson, James Busby und Henry Williams, welche den Vertrag mit Unterstützung einiger Missionare in Neuseeland entwarfen, vorstellten und die einzelnen Klan-Führerinnen und -Führer, unter ihnen Here Hoani Heke, zur Unterzeichnung bewegten.

 

Historischer Kontext

Neuseeland war zu diesem Zeitpunkt vor allem noch von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Māori-Stämmen und ebenso mit den Siedlern geprägt. Die Britische Krone wollte einer drohenden Annexion Neuseelands von Frankreich zuvorkommen und ließ im Jahre 1835 zunächst eine „Declaration of Independence of New Zealand“ unterschreiben.

 

Waitangi Treaty

 

Ablauf der Unterzeichung

Am 29.01.1840 erreichte William Hobson schließlich Neuseeland mit dem Auftrag, einen endgültigen Vertrag mit den Māori-Stämmen zu schließen und James Busby als Gouverneur abzulösen. Dieser sollte die Aufgabe der Souveränität der Māori-Chiefs, die Kontrolle über Landverkäufe, Schutz für die Māori und für sie alle Rechte als Untertanen der britischen Krone, der Besitz an ihrem Land, Fischgründen und Wald regeln und Neuseeland mit seinen Bewohnern zu einer britischen Kolonie machen.

Direkt nach seiner Ankunft verschickte Hobson Botschaften, zunächst an die nördlichen Māori-Stämme, und lud deren Chiefs zu einem Treffen nach Waitangi ein.

Henry Williams übersetzte den Vertag gemeinsam mit seinem Sohn. Hierbei unterliefen ihm allerdings einige Fehler, ob beabsichtigt oder versehentlich ist bis heute nicht ganz geklärt. So bot eine fehlerhafte Übersetzung der „Aufgabe der Souveränität“, welche in der Version der Māori so nicht vorkommt, den Britischen Einwanderern die Möglichkeit, den Vertrag (vorerst) ohne rechtliche Konsequenzen zu brechen. So konnte den Māori das ihnen zustehende Land sowie ihre kulturelle und wirtschaftliche Unabhängigkeit genommen werden.

Am 05.02.1840 wurde der ausgearbeitete und übersetzte Vertrag schließlich der Versammlung vorgestellt und den Māori-Chiefs insgesamt drei Tage Zeit gegeben, ihn zu verstehen und zu debattieren. Zu Hobsons Überraschung traf die Versammlung bereits am nächsten Tag wieder zusammen, und als Hobson und einige andere Missionare es ablehnten, den Inhalt des Vertrages noch ein weiteres Mal zu erläutern, unterzeichnete Here Hoani Heke ihn im guten Glauben an die Missionare. Die anderen Chiefs folgten seinem Beispiel. Damit wurde Neuseeland offiziell zu einer britischen Kolonie und der Grundstein für eine moderne Staatlichkeit im westlichen Sinne war gelegt.

 

Hobson House

Foto: Nyttend

Der Vertrag heute und das Waitiangi Tribunal

Der „Vertrag von Waitiangi“ hat bis heute rechtlichte Gültigkeit. Um diese unhabhängig gewährleisten zu können und Missachtungen des Vertrages wie in der Vergangenheit zu vermeiden, wurde im Jahre 1975 von der Regierung das so genannte Waitangi Tribunal eingerichtet. Vor diesem Tribunal haben Māori die Möglichkeit, das ihnen nach dem Vertrag zustehende Recht einzuklagen und Kompensationen für die Vertragsbrüche der Vergangenheit zu fordern. Bis heute hat die neuseeländische Regierung etwa 243 Millionen Euro Entschädigung gezahlt.

Die originalen Verträge selbst, soweit sie noch erhalten sind, stehen unter dem Schutz der UNESCO und auf der Liste der „Weltdokumentenerbe“, der Ort Waitangi ist heute als „Treaty Ground“ bekannt und wird als Gedenkstätte genutzt. Hier befinden sich unter anderem das restaurierte Haus von William Hobson, welches heute als Museum fungiert, und eine Marae, eine Begegnungsstätte der Māori.

Mehr über das Geschichte von Pākehā und Māori und ihre Verhältnis heutzutage findet sich im Neuseeland-Lesebuch.

 

Header Foto: Sheila Thomson (Inside Te Whare Rūnanga, cc by 2.0)


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